mneme[xx] Konzerte

mneme[1300]

6. Mai 2011, 21. Oktober 2011, Seidlvilla

Audio: Ausschnitte des Mitschnitts vom 6. Mai

mneme[1300] – mit einer neuen Konzertreihe erkundet das undercoverfiction ensemble für Neue Musik und neues Musiktheater Fundamente europäischer Kultur

Der erste Abend „mneme[1300]“ (21. Oktober, 20.00 Uhr, Seidlvilla) erforscht islamische Grundlagen der abendländischen Zivilisation. Das eigens für diesen Abend zusammengestellte euro-arabische Musikerensemble bringt uraltes musikalisches Material aus der arabischen Welt mit den Mitteln der modernen Improvisation und Live-Elektronik wieder zum Klingen.

Es spielen Sofija Molchanova (Klarinette), Artur Medvedev (Violine) / Elena Tkachenko (Violoncello), Sven Holscher (Kontrabass) und Nélida Béjar (Klavier und Live-Elektronik). Die vier klassisch-europäisch ausgebildeten Musiker treffen auf den irakischen Oud-Spieler Layt Abdul-Ameer, der in Bagdad klassische arabische Musik studiert hat. Unter der musikalischen Gesamtleitung der andalusischen Komponistin Béjar entwickelt das Ensemble Improvisationen, die arabische und westliche Elemente verbinden und dabei eine einzigartige musikalische Erfahrung transportieren. Traditionelle und zeitgenössische Skalen, Rhythmen und Strukturen aus der arabischen und der europäischen Musikkultur treten in einen spannenden Dialog.

Ein einführender Vortrag des Theaterregisseurs und Politikwissenschaftlers Björn Potulski erinnert an den umfangreichen Kulturtransfer aus der islamischen Welt, von dem das mittelalterliche Europa profitiert hat. Admiral, Alkohol, Chemie, Koffer, Risiko, Tarif, Zucker, Zwetschge: Hunderte arabische Lehnwörter im Deutschen sind noch heute stumme Zeugen der kulturellen Entwicklungshilfe aus dem Morgenland. Die aktuellen Ereignisse in der arabischen Welt wecken neues Interesse.

Seit dem Frühjahr 2011 sind die Europäer ebenso faszinierte wie verunsicherte Zeugen einer arabischen Revolution, die viele Beobachter als welthistorische Umwälzung begreifen. Umso schwerer wiegen Rat- und Beziehungslosigkeit gegenüber der arabischen Kultur. Eine mit rassistischen Untertönen geführte Islam-Debatte und der deutsche Schlingerkurs in der Libyen-Politik verweisen auf fundamentale Defizite im Umgang mit den Nachbarn auf der anderen Seite des Mittelmeers. Darauf antwortet  „mneme[1300]“: Das euro-arabische Musikerensemble möchte vergessene Gemeinsamkeiten ans Licht holen.

„mneme[1300]“ erinnert an eine folgenreiche Geschichte, die vor 1300 Jahren begonnen hat. Im Frühjahr 711 überwand eine arabisch-muslimische Armee die Straße von Gibraltar. Die morgenländischen Invasoren eroberten fast die gesamte Iberische Halbinsel und gründeten ihr sagenhaftes europäisches Reich: Al-Andalus. Der spanische Name „Andalusien“ erinnert noch heute daran. Mit der faszinierenden Kultur von Al-Andalus wurde im Früh- und Hochmittelalter ein christlich-jüdisch-islamisches Fundament Europas gelegt, das in vielen Bereichen bis heute nachwirkt.